Dresden 2010 – Erfolgreich im Weg gesessen

Wie bereits in der Tagespresse berichtet wurde, ist das Ziel den (Neo)naziaufmarsch in Dresden am 13. Februar 2010 durch Mittel des Zivilen Ungehorsams in Form von Sitzblockaden einen Strich durch die Rechnung zu machen, so ziemlich erreicht worden (siehe Feature bei Indymedia). Mit reichlich Verspätung reihen wir uns auch in die Berichterstattung ein..voila.

Farbklekse in der Vorbereitung

Aus Rathenow mit Zwischenstopp in Brandenburg an der Havel machte sich ein Reisebus auf den Weg um das bundesweite zivilgesellschaftliche Bündnis „Nazifrei – Dresden stellt sich quer!“ und das antifaschistische Bündnis „No Pasarán – Sie kommen nicht durch!“ in ihrem Ziel vor Ort resolut zu unterstützen. Ein Teil von uns fuhr bereits am Freitag in die sächsische Landeshauptstadt, weil wir uns das Wochenende nicht von den Nasen vermiesen lassen wollten, sondern auch ohne politischen Umhang schöne Momente in Neustadt und Umgebung zu verleben.
Bevor es zu Bett ging, bereiteten wir noch ein kleines Transparent vor, das mit dem netten Titel „Nazi’s ihr seit dof. Keina mag euch!“ :-) beschriftet wurde. Eine bunte Farbauswahl sowie die Hände der Nachbarskinder und der Kater unserer Gastgeber trugen dazu bei, dass unser Anliegen eine deeskalierende Botschaft zu entwerfen ein Erfolg wurde.

auf der Sitzkundgebung

Nach dem Frühstück packten wir unsere „Ausrüstung“ und machten uns auf den Weg zum Bahnhof Neustadt, wo die (Neo)nazis ihren Kundgebungsauftakt geplant hatten. Dieser war bereits von Unmengen von PolizistenInnen, Einsatzwagen, Absperrzäunen und sogar zwei Wasserwerfern „umzingelt“, durch die wir uns nach und nach den Weg bahnten. Etliche GegendemonstratenInnen waren ebenfalls schon früh auf den Beinen und saßen bereits an einigen Stellen sinnvoll im Weg ;-) . Wir entschieden uns einer kleinen Sitzblockade von ca. 200 Menschen in der Eisenbahnstraße anzuschließen, die aus unserer Sicht ein strategisch wichtiger Blockadepunkt war und auf uns einen netten Eindruck machte, was sich im Laufe des Tages erfreulicherweise beides als richtig herausstellte: die vom Alter her und auch sonst bunt gespickten Menschen dieser Blockade, waren trotz der Temperaturen gut drauf; die Polizeieinheiten vor uns wurden lockerer, nach dem wir sie zum Mitspielen beim Luftballonvolleyball animierten, und sie uns im Gegenzug sogar etwas von ihren Lunchpaketen abgaben, die von der BullenVokü gebracht wurde; eine Zeitzeugin berichtete uns selbstbewusst von ihren persönlichen Erlebnissen in der Nacht der Bombenangriffe auf Dresden, und zeigte durch ihr antifaschistisches Engagement, dass symbolisches Trauern / Demonstrieren ,wie von der Oberbürgermeisterin Orosz durch eine Menschenkette in der Dresdner Altstadt initiiert, kein Naziaufmarsch verhindern kann.

Während wir uns die Zeit mit Essen, Rauchen, kleinen Spielen, Gedankenaustausch, viel Sitzen, Frühsport und Delegiertenversammlungen vertrieben, erreichte uns im Laufe des Nachmittags die freudige Nachricht der Polizei, dass keine der friedlichen Sitzblockaden an den verschiedenen Kundgebungsorten geräumt werden soll (was nicht stimmte, da zu diesem Zeitpunkt bereits die Blockaden an der Marienbrücke sowie Königsbrücker Str/Schauburg durch massiven Polizeieinsatz aufgelöst worden waren). Das Erreichen des Ziels getreu dem Motto des Bündnissaufrufs „No Pasarán – Sie kommen nicht durch!“ rückte folglich näher. Das Ausharren auf bequemen und ideenreichen Sitzunterlagen wurde entlohnt, als über das Megaphon verkündet wurde, dass die (Neo)nazis nicht marschieren dürfen, da die Polizei keine Möglichkeit sieht, einen sicheren Ablauf des Aufmarsches zu gewährleisten. Es war also geschafft: „No han pasado – Sie kamen nicht durch!“.

Aktionskonsens als Erfolgsgarant

Alles in allem ein gelungener Tag, da das Konzept der Massenblockaden im wesentlichen dank der Teilnahme von über 10 000 AntifaschistInnen und der gründlichen Vorbereitung vieler Engagierter Menschen funktioniert hat. Inwieweit sich diese Form des Protests auch im nächsten Jahr als tragfähig erweist, bleibt abzuwarten. Jedoch hat die Mobilisierung und Organisation der Gegenproteste gezeigt, dass sich etwas bewegen und erreichen lässt, wenn verschiedenste gesellschaftliche Kräfte sich mit einem gemeinsamen Ziel temporär zusammenschließen und entschlossen agieren. Viva la resistance!

guter Überblick in der Presselandschaft unter www.no-pasaran.mobi/

Sport vom feinsten …

… und schwungvolle Klänge zur Erholung der Strapazen erlebten wir an unserem Mobilisierungstag am sechsten Februar zur Unterstützung der Ziele des Dresden stellt sich quer-Bündnisses. Da wir uns (Neo-)Nazis nicht ohne Vorbereitung und gute Laune am 13. Februar in den Weg setzen wollten, luden wir zu einem Aktionstag gegen (neo-)nazistischen Geschichtsrevisionismus und für demokratische Protestkultur.

Während wir unseren Trainingsplatz im Saal des Interkulturellen Zentrums „Gertrud von Saldern“ (IkZ) für die anstehende Übungseinheit mit Jonas vom Skills for Action Netzwerk vorbereiteten, kümmerten sich die Mitarbeiter des IkZ liebevoll um die Verpflegungsstation im Cafe bzw. Pausenraum. Zum Aufwärmen ging es mit einer Kennenlernrunde und einem Erfahrungsaustausch von politischen Aktionen los. So wussten die Teilnehmer_innen mit welchen „Gegner_innen“ sie es zu tun haben, und der Trainer konnte sein Programm auf und mit uns besser abstimmen. Die überschaubare Anzahl der Spieler_innen von 12 reduzierte sich nach der ersten Pause überraschend, da sich zwei reale Gegner_innen anscheinend im Spielfeld geirrt hatten. Unsere Vermutung, dass es sich um Nachwuchsaktivisten aus dem regionalen (Neo-)Nazimilieu oder verdeckte Ermittler des Verfassungsschutzes handelte, konnten wir nicht klären, und so setzen wir mit einem wachem Auge unsere Trainingsmaßnahmen umso motivierter fort.

Nach einem Theorieabschnitt zu Bezugsgruppen ging es nach draußen und wir überstiegen nach Anleitung des Trainers in rasendem Tempo eine zum Hamburger Gitter umfunktionierte Baustellenabsperrung. Im Anschluss daran „quälte“ uns der Übungsleiter mit verschiedenen Techniken zum Durchqueren von Polizeiketten, die eventuell den Weg zu einer Kundgebung versperrten. Gemäß dem Motto eines Teilnehmers – „Ich habe einen Chuck Norris-Schlafanzug – mich haut so schnell nichts um“ – ließen wir uns weder von der eisigen Witterung noch von verwunderten Blicken der Anwohner_innen aufhalten. Da das schweißtreibende Rollenspiel an unseren Kräften zehrte, legten wir bei Kartoffelsuppe, Obstteller und belegten Brötchen eine Auszeit ein, um gestärkt in die letzte Trainingsrunde zu starten.
Dass ‚fauler Sack‘ oder ‚Päckchen‘ nichts mit Schule schwänzen oder der Post zu tun haben, sondern Verhaltensmöglichkeiten sind, wenn die Polizei eine Sitzblockade räumt, und richtig im Weg sitzen gelernt sein will, war für mich nicht neu, da ich ein ähnliches Training beim McPlanet-Kongress mitgemacht habe, sorgte aber bei allen Beteiligten gegen Ende des Trainings für eine ausgelassene Stimmung. Den Abschluss eines fast sechsstündigen Trainingsmarathons bildete eine Feedbackrunde, in der alle Spieler_innen vor allem die Abwechslung aus Theorie und Praxis, sowie die gewachsene Sensibilität für ein solidarisches Miteinander vor und während politischer Aktionen als positiv bewerteten. Zur anschließenden Belohnung durch die Potsdamer Band ‚Fosbury Flop‘ füllte sich der kurzerhand zum Konzertsaal umgebaute Trainingsplatz mit weiteren Brandenburger_innen, die es sich nicht nehmen ließen, ihre Knochen zu jazzig-funkigen Melodien in Bewegung zu setzen und die Fossy’s nicht ohne Zugabe nach Hause fahren zu lassen.

Alles in allem ein gelungener Tag, der gezeigt hat, dass politische Arbeit durchaus Spaß macht und junge Menschen aus Brandenburg auch abgehen können… wenn ihnen die richtigen Leute einheizen. Danke an alle, die diesen Mobitag ermöglicht und unterstützt haben, insbesondere dem Team vom IkZ für die Verpflegung und unkomplizierte Bereitstellung der Räumlichkeiten.
In diesen Sinne, wir sind bereit – No Pasarán!

Juri

Einladung zu Mobilisierungstag mit Konzert

MobiFlyer

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Trotz organisatorischer Widrigkeiten und Überraschungen kann der geplante Mobilisierungstag für Dresden nun doch stattfinden. Am Samstag den 06. Februar geht es ab ca. 12 Uhr mit einem gemeinsamen Probesitzen los; unter professioneller Anleitung von skillz for action erfahrt ihr alles, um sinnvoll im Weg zu sitzen. Um uns von den „Strapazen“ zu erholen, gibt es im Anschluss musikalisch mit Fosbury Flop was auf die Ohren. Ort der Geschehnisse wird das IkZ „Getrud von Saldern“ sein. Wir würden uns sehr freuen, euch dort begrüßen zu können.

    Was: Mobilisierungstag mit Konzert

    Wann: Samstag, 06. Februar

    Was genau I: Demo-/Blockadetraining mit skills for action ab 12 h

    Was genau II: Konzert „Fosbury Flop“ ab 20h ab 19h

    Wo: Interkulturelles Zentrum „Gertrud von Saldern“ (Walther-Rathenau-Platz 1, 14770 Brandenburg an der Havel)

    Kosten: 3 Euro

    Anmeldung für das Training: alibrah@hotmail.de

Um besser planen zu können, bitten wir, sich per Email für das Training anzumelden. Wer spontan dazustößt, ist auch willkommen mitzumachen, hat evt. aber keinen Platz sicher. Das Konzert kann jede_r auch ohne Demotraining und -erfahrung genießen ;-) .

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, bzw. der rechtsextremen Szene zuzurechnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen aufgefallen sind, den Zutritt zu den Veranstaltungen zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.

Wir fahren – Bus nach Dresden steht bereit!

Am Samstag den 13 Februar fährt ein Bus mit Startpunkt in Rathenow und Zwischenhalten in Premnitz und Brandenburg zu den bundesweiten antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Protesten des Zivilen Ungehorsams nach Dresden. Der Bus wird vom Kreisverband Havelland der Partei der Linken bereitgestellt. Herzlichen Dank dafür.

    Hinfahrt: Samstag, 13. Feburar 6.00 Uhr in Rathenow, vor dem Rathaus
    Zwischenhalt in Brandenburg an der Havel um 6.45 Uhr am Hauptbahnhof

    Rückfahrt: Samstag, 13. Februar, ca. 18.00 Uhr
    Zwischenhalt in Brandenburg an der Havel

    Tickets für Hin- und Rückreise kosten 10 € und können über Vorkasse bei Daniel Förster bestellt werden (Email: daniel.foerster@dielinke-havelland.de)

Wir fahren mit einem gewöhnlichen Reisebus mit einer Kapazität von 50 Sitzplätzen. Wer sich per Email bei Daniel Förster angemeldet hat, bekommt die Kontodaten und ist nach der Überweisung verbindlich angemeldet.
Bereits am Freitag fährt ein Bus aus Potsdam und am Samstag fahren weitere fünf Busse aus Berlin nach Dresden. Weitere Infos zu diesen und bundesweiten Busmobilisierungen gibt’s hier

Mobilisierung – aktualisiert

Neues in Sachen Mobilisierung:

    Wir von alibrah erklären uns mit der vom bundesweiten No Pasarán! Bündnis auf der Aktivierungskonferenz „Dresden Calling“ verabschiedeten Resolution einverstanden und unterstützen dessen Aufruf den Naziaufmarsch mit vielfältigen Aktionsformen zu unterbinden. Als weiteres Ergebnis dieser Konferenz wurde das Aktionsbündnis „Nazifrei – Dresden stellt sich quer“ gegründet, in dem sich zahlreiche Vertreter*innen von antifaschistischen Gruppen, Bürgerinitiativen, zivilgesellschaftliche Organisationen, Gewerkschaften, Verbänden und Parteien auf die gemeinsame Strategie verständigten, den Aufmarsch der Rechten mit dem Mittel des zivilen Ungehorsams zu verhindern. Wir sind einverstanden mit diesem Ziel und unterstützen dessen Aufruf.

    Auf einem ersten Mobilisierungstreffen einigten sich Aktive von ’solid – Stadtverband Linksjugend, Antifaschistische Aktion Westhavelland und alibrah ein regionales Bündnis zu gründen um unter anderen die Mobilisierung nach Dresden auf lokaler Ebene sprektrenübergreifend zu koordinieren.

    Für die Fahrt nach Dresden wird von Brandenburg a. d. Havel aus mindestens ein Bus bereitgestellt. Um besser planen zu können, wann der (oder vielleicht die Busse) hin- und zurückfahren, bitten wir euch/dich sich auf dem doodle-Link auf der Mobilisierungsunterseite einzutragen, wann der Bus fahren soll.

    Zur rechtlichen und praktischen Vorbereitung für zivilen Ungehorsam findet am Samstag, 09. Januar in Berlin um 14h ein Workshop statt, zu dem einige von uns sicherlich hinfahren werden (Details siehe Termine). Vorraussichtlich nehmen wir den Zug ab Brandenburg Hbf um 12.22h. Wer Lust hat mitzukommen, kann sich einfach bei uns melden oder kommt zum bahnhof.

    Das No Pasarán! Bündnis hat für die Mobilisierung verschiedene Flyer entworfen, die auf dessen Internetseite zu finden sind. Dazu stellt Disgusted Youth Mailorder zwei Aufklebermotive zur Verfügung.